Schwimmen mit Elefanten, Seifenblasen aus dem Nichts und die Frage nach dem Sinn des Lebens!

Glücklich seinMit dem Fahrrad durch Thailand, Laos und Kamboscha – eine Reise, die mich auf diversen Umwegen und nach zahlreichen schließlich erfolgreichen Überzeugungsgesprächen glücklicherweise irgendwie fand und in eine Welt lockte, die mich mit einer Mischung aus mitreißender Gelassenheit, Verzweiflung, Mut, einer menschlichen Enttäuschung, unvergesslichen Erlebnissen und magischen Momenten mit voller Wucht aus der Bahn geschleudert hat.

 

Bangkok, ein riesiger Moloch voller Gerüche, Lärm, Menschengewusel, Tempel und „Slumchen“, wie unsere Reiseleitung vor Ort so schön verniedlichend die Elendsviertel der Großstadt beschrieb. Eine Fahrt mit dem Longtailboot, der Besuch der Skybar mit dem Wahnsinns-Ausblick, eine Radtour durch Thonburi und Gegenden, die Touristen in den meisten Fällen eher verborgen bleibt. Gegensätze pur. Aber genau das ist es, was beeindruckt. Die Menschen, die trotz teils großer Armut unfassbar freundlich, hilfsbereit und gelassen sind.

GELEBTE GELASSENHEIT

Hinzu kommt die Allgegenwärtigkeit des Buddhismus. Die Mönche mit ihren kurzgeschorenen Haaren, den sanften Gesichtszügen und den orangefarbenen Gewändern strahlen eine kaum in Worte zu fassende Zufriedenheit aus – selbst in dieser Mega-Metropole. Eine Tatsache, die zumindest mich blitzschnell meine Werte und die des westlichen Lebens generell in Frage stellen lässt. Was ist eigentlich wirklich wichtig?! Und wie war das noch genau mit dem wahren Sinn des Lebens?

Beim Besuch des Golden Mount in Bangkok höre ich plötzlich ein dumpfes „Plopp“. Ich schaue mich um und sehe eine Schildkröte, die gerade offensichtlich aus dem Berg gefallen ist. Ein Mitarbeiter der Anlage schaut mich an, lächelt und setzt mir die Schildkröte auf die Hand. Ich soll sie wieder dorthin zurückführen, wo sie herkam, und setze sie vorsichtig ab, sodass sie ihren Weg findet.

Die Reise führt uns zu zum Teil unfassbar schönen Wats. Mal mit riesigen goldenen Buddhastatuen, mal mit unzähligen kleinen Mosaiksteinchen verziert, mal komplett mit Gold beschichtet. Dazu der Mönchsgesang, der mir immer wieder eine Gänsehaut verleiht. Die Menschen, die mit Lotusblumen und Räucherstäbchen vor den Statuen niederknien. Später, in Laos, lasse ich mich davon anstecken und tue es ihnen gleich. Dann das schöne Ritual, bei dem in einem Becher 27 Stäbchen enthalten sind, die geschüttelt werden müssen. Der Stab, der herausfällt, hat eine Nummer und damit eine Bedeutung. Ich ziehe die 27 und lasse mir von einer Thailänderin erklären, dass nun all meine Wünsche in Erfüllung gehen werden und erwische mich dabei, dies irgendwie zu glauben.

GRENZGÄNGE

In Chiang Mai sitzen wir am Fluss und beobachten, wie dort Laternen in den Himmel steigen und genießen einen Schluck Sangsom. Laut Bedienung thailändischer Whisky. Eigentlich dachten wir, wir hätten jeder ein Glas für umgerechnet 1 Euro bestellt, bekommen stattdessen aber eine ganze Flasche auf den Tisch gestellt. Same, same, but different!

Auf unserer letzten Station in Thailand übernachten wir in Chiang Rai, bevor wir am nächsten Tag eine etwas abenteuerliche Grenzüberquerung nach Laos bewältigen. Einen Lehmhügel hinab, in ein Boot, über den Mekong und auf der anderen Seite einen matschigen Abhang wieder hoch. Mit diversen Formularen, die ausgefüllt werden müssen. Die nächsten zwei Tage fahren wir mit einem Boot den Mekong entlang. Wasserbüffel, Elefanten, das braune, vor sich hin sprudelnde Wasser des Flusses und eine Landschaft mit Urwald, Bergen und Grün, soweit man schauen kann – atemberaubend schön. In Pakbeng wohnen wir in einer Lodge direkt am Fluss. Eine Kulisse, die unter die Haut geht und für einen Augenblick die Zeit stillstehen lässt.

Dann sind wir in Luang Prabang. Vier Tage lang dürfen wir in der Hochburg des Buddhismus verweilen und schauen uns natürlich den morgendlichen Opfergang der Mönche an, besuchen kurz nach Sonnenaufgang einen Markt, der so bunt ist, dass er fast unwirklich scheint. Hier ragen ein paar Hühnerbeine vom Tisch, an anderer Stelle gibt es kleine Krabbeltiere in Körben, aber auch Chilis, Ananas und unzählige weitere Köstlichkeiten und Dinge, die zumindest ich als Vegetarierin nicht unbedingt probieren mag. Aber auch für mich gibt es in Laos fantastische Leckereien – in Bananenblättern gedämpften Fisch, diverse Currys, frische Ananas und vieles mehr. Mmmmh!

UNVERGESSLICHE AUGENBLICKE

In Luang Prabang stehen dann auch lange Radtouren auf dem Programm, die mich als normal trainierten Menschen vor allem aufgrund der schlechten Organisation an den Rand der Verzweiflung treiben. Kein Bus oder anderes Gefährt, auf das ich im Notfall umsteigen kann. Eine kleine Wasserflasche und 35 Kilometer mit einer Steigung, die mich fertig macht. Von der Temperatur von weit über 30 Grad und der hohen Luftfeuchtigkeit mal ganz abgesehen. Nachdem ich zwischendurch krampfhaft versuche, meine Angst zur Seite zu schieben und überlege, einfach stehen zu bleiben und aufzugeben und gar nichts mehr zu tun, schiebe ich ein Stück und komme letzten Endes auch irgendwie an. Hatte ich diesen Urlaub wirklich freiwillig gebucht? War dies wirklich eine Reise mit einer Gruppe? Und wie definiert man eigentlich Gruppe und gut organisierte Reise? Das Schwimmen im glasklaren Wasser rund um den Kuang Si Wasserfall und das Essen mit Blick auf eben diesen entschädigen. Was bleibt, ist allerdings die unterschwellige Angst vor den nächsten Fahrradstrecken.

Am nächsten Tag fahren wir zu einem Elefantencamp, in dem alte, einst gequälte und gerettete Tiere einen ruhigen Lebensabend verbringen können. Wir reiten eine Stunde lang auf den Dickhäutern und dürfen sogar vorn hinter dem Kopf sitzen. Ein unbeschreibliches Gefühl, wenn die stoppeligen Giganten durchs Wasser stratzen und zwischendurch höllischen Spaß daran haben, uns mit ihrem Rüssel mit Wasser zu bespritzen. Weiter geht’s zum nächsten Wasserfall. Ein Schild verkündet die Möglichkeit, eine halbe Stunde mit einem Elefanten zu schwimmen. Ich habe zugegebenermaßen mächtig Respekt und ringe extrem lang mit mir, bis ich es wage. Ich bereue es nicht und werde die Zeit im Wasser mit dem verschmitzt immer wieder nach Bananen rüsselnden Riesentier sicher noch ewig im Gedächtnis behalten.

In Vang Vieng schließlich – nach diversen weiteren Radtouren, die ich letzten Endes irgendwie gut überstehe -, gönnen wir uns nicht nur eine Kajakfahrt, sondern auch entspannte Abende mit Cocktails und Billard, während wir tagsüber Höhlen besichtigen und die Natur genießen. Und immer wieder das fröhliche “Sabaidee”, das die Kids uns zurufen und uns dabei aus ihren großen Augen anleuchten.

GLÜCK, GLÜCK, GLÜCK!

Letzte Station in Laos ist die Hauptstadt Vientiane. Wir haben Wahnsinnsglück, denn es findet gerade das Bjoun That Luang Festival statt. Tausende Gläubige versammeln sich zu Sonnenaufgang um das goldfarbene Heiligtum That Luang, um sich mit Spenden bei den Mönchen für den geleisteten Beistand zu bedanken. Schon tags zuvor finden sich dort unzählige Menschen zusammen, um gemeinsam zu feiern. Auch wir laufen drei Mal um die Stupa, weil das Glück bringen soll, und kommen am nächsten Morgen wieder, um den That Luang im Sonnenlicht erstrahlen zu sehen und, von dieser Ansicht komplett beseelt, ein Glücksbändchen von einem Mönch zu bekommen und noch eine Weile diesen atemberaubenden Augenblick und die unvergleichliche Atmosphäre zu genießen.

Der Inlandsflug nach Kambodscha gerät nach diesem Morgen glatt zur Nebensache. An meine Flugangst denke ich nur ganz nebenbei. Hat mich die Gelassenheit etwa schon angesteckt?

WELCOME TO CAMBODIA

In Phnom Penh angekommen, vermisse ich zunächst das friedliche Laos. Denn die kambodschanische Metropole wirkt irgendwie rau und versinkt im Verkehrsstrom. Bei einem Spaziergang durch die wuselige Stadt, in der laut Reiseführer mehrere Menschen am Tag bei einem Verkehrsunfall sterben, gewinnt diese jedoch durchaus an Charme. Auch hier wird gefeiert. Reihen sich Gegensätze an Gegensätze. Schmutzige kleine Nebenstraßen, Blechhütten, daneben Hotels, Statuen. Wir lassen uns treiben und landen schließlich am Fluss und beobachten das bunte Treiben vom ersten Stock aus. Mit einem Cocktail in der Hand lassen wir den Tag ausklingen und sprechen über Eindrücke und Erlebnisse, die sich so schnell aneinanderreihen, dass sie erst zu Hause endgültig ankommen können.

Am nächsten Tag steht der Besuch des Königspalastes auf dem Programm. Ich gehe ein paar Schritte abseits der Gruppe und schaue mich allein um. Plötzlich kommt eine einzelne große Seifenblase auf mich zugeflogen. Ich schaue ihr eine Weile zu und berühre sie dann vorsichtig mit meiner Hand. Ich schaue mich um, da ich an diesem Ort eigentlich keine Seifenblase erwartet hätte. Ich drehe mich mehrfach im Kreis auf der Suche nach dem Ursprung, aber nirgendwo sind weitere Seifenblasen zu sehen oder jemand, der sie in die Luft steigen lässt… Der Zauber dieses Augenblicks begleitet mich noch immer.

ATEMBERAUBENDES ANGKOR WAT

Weiter geht es nach Siem Riep und zu den so berühmten Tempelanlagen von Angkor Wat. Diese uralten, geschichtsträchtigen Gebäude sind so beeindruckend, dass ich mich dort am liebsten eine ganze Woche aufhalten würde. Die alten Gemäuer scheinen fast greifbar lebendig. Egal, ob überwachsen im Dschungel, verwachsen mit riesigen alten Bäumen, die ihre Wurzeln auch heute noch mächtig, fast Besitz erfgreifend um die Steine schlängeln, frei stehend auf einer riesigen Fläche, mit Löwenköpfen, Buddhastatuen, Brücken, unzähligen Treppenaufgängen und Verzierungen. Erlebnisse, die mir immer wieder – und zwar nicht wegen der zwischendurch nach wie vor höchst anstrengenden Fahrradstrecken – komplett den Atem rauben.

STOPP, WELT ANHALTEN, BITTE, SOFORT!

Zum Abschluss der Reise gibt es noch zwei Tage zum Entspannen auf der thailändischen Insel Ko Chang. Ein Paradies mit kilometerweiten Sandstränden, Schaukeln in Palmen, Cocktails, die in Kokosnüssen serviert werden. Einem leider sehr dramatischen Mofa-Unfall, der klarmacht, wie schnell alles vorbei sein kann, aber auch, wie hervorragend Schutzengel arbeiten.

Ein Mond, der in Asien „auf dem Rücken liegt“, ein unfassbar grandioser Sternenhimmel und nächtliches Schwimmen im immer noch lauwarmen Wasser – ich habe Tränen in den Augen und hätte gern die magischen Kräfte, die Welt kurz anzuhalten!

… und muss doch am nächsten Tag wieder nach Hause. Hier angekommen fühle ich mich, wie von einem anderen Planeten äußerst unsanft zurück auf die Erde geschleudert… und frage mich, was ich hier eigentlich tue, was wirklich zählt und wo der Sinn des Ganzen verborgen ist.

Gott, wie sehr ich dieses Gefühl der Gelassenheit, Unbeschwertheit, Leichtigkeit und Tiefe vermisse…!

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