Augen zu und tanzen – Juicy Beats 2016

JuicyBeats201618.000 grandios gelaunte Musikbegeisterte am Freitag und 32.000 am Samstag können nicht irren. Das Juicy Beats Festival zieht längst nicht mehr nur Fans aus dem Ruhrgebiet an, sondern weit darüber hinaus. Um diese tanz- und feierwütige Meute zu amüsieren, gehören jede Menge Logistik und tolle Künstler.  550 Musiker, 9 Bühnen, 23 Floors, aber auch 600 Mitarbeiter für die Gastronomie, 320 Toiletten, und 50 Kilometer Kabel sollen hier als Zahlenwerk reichen, um einen Eindruck vom Ausmaß der Veranstaltung zu geben.

Und in diesen Jahr spielte dann auch tatsächlich der Wettergott mit, der den Veranstaltern im letzten Jahr so übel mitgespielt hatte. In diesem Jahr, so Carsten Helmich, habe es dann stattdessen andere Events getroffen, was unter anderem zur Folge hatte, dass Fritz Kalkbrenner seine Pyrotechnik vom Southside Festival gleich noch mit eingepackt hat. Aber bevor der Berliner die Mainstage bespielte, passierten viele andere großartige Dinge.

Bussi, Baby!

Betont werden muss an dieser Stelle die professionelle Arbeit der Security. Der Einlass klappte trotz langer Schlangen hervorragend. Die Stimmung blieb immer friedlich. Zu tief sitzen wohl die Erinnerungen an die Bilder aus Nizza, sodass jeder gern bereit war, seinen Rucksack oder seine Tasche durchschauen zu lassen. Auch die verstärkte Polizeipräsenz fiel zwar auf, blieb aber erfreulich unauffällig im Hintergrund.

Das Programm war gigantisch. Die Entscheidung, welche Show nun eine Chance auf einen Besuch hatte, fiel nicht nur nach Band, sondern auch nach Entfernung. Denn mal eben von der Hauptbühne zum Spatengarten oder zur Buschmühle zu gelangen, konnte bei der Masse an Menschen schon mal etwas dauern.  Das Freitagshighlight Deichkind bekam ich leider nicht mit, dafür aber viele tolle Musiker am Samstag.  Wanda zum Beispiel. Die sympathischen Österreicher hatte ich bereits einmal gesehen. Im letzten Jahr beim Reeperbahn-Festival, als man sich zwar zumunkelte, dass sie mal groß werden könnten, aber wohl nicht ahnte, wie sie durch die Decke gehen würden. Zwar schafften sie es nicht auf die Mainstage, weil sie dort hätten mit Fritz Kalkbrenner konkurrieren müssten, aber die 2nd Mainstage rockten sie ordentlich. Die Wiese vor der Bühne am Sonnensegel war mehr als prall gefüllt. „Sag, hast du ein Bussi Baby, Bussi Baby…“  – ein Gänsehautmoment, als die Menge den Refrain mitgröhlt.

Schön, schön, schön!

Aber was zur Hölle ist da eigentlich mit dem Sound-Design falschgelaufen? Nein, nicht dem Sound des Festivals, der überlagerte sich zwar sehr witzig an der ein oder anderen Stage, aber war für ein so riesiges Event erstaunlich perfekt. Ich meine hier eher die Stimme von Henning May von AnnenMayKantereit. Ich schaue aus dem Bühnengraben hoch und mache ein paar Fotos. Das passt nicht. Das ist total irre. Diese Stimme, die da aus dem schmächtigen, gerade mal kurz über 20-Jährigen kommt, ist schräg. So viel Whisky kann er noch gar nicht getrunken haben, um so einen Reibeisen-Sound hinzubekommen. Naja, wie auch immer. Irgendwie ist es ja möglich. Völlig entspannt präsentieren die Jungs ihre Songs. Die Girlies kreischen, die Eltern wippen im Sound mit. Und alle haben sich irgendwie lieb, als es heißt „Ich hab keine Heimat, ich hab nur dich. Du bist zu Hause für immer und mich!“

Zwischendurch komme ich vorbei an den Essener Jungs von Botticelli Baby, tanze ein bisschen zu irgendwelchen Electro-DJ-Klängen, schaue ein wenig bei Feine Sahne Fischfilet vorbei und erwische mich dabei, wie ich mit einstimme und „Ich bin komplett im Arsch“ mitsinge. Äh, Moment. Egal. Ist einfach Juicy Beats, macht Spaß.

Und als der gute Herr Kalkbrenner dann seine feine Pyro abfeuert und „Back Home“ erklingt, schaue ich in den Dortmunder Abendhimmel und in die tausenden feiernden Gesichter und bin mir sicher, dass es sie gibt, diese Wege, die übers Wasser führen.

Vielen, vielen Dank, liebes Juicy Beats Team für eure grandiose Arbeit. Vermutlich braucht ihr jetzt alle erstmal gaaaanz viel Schlaf. Aber bitte macht weiter so, damit es auch 2017 wieder so ein fantastisches Festival wird.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.