Einmal Frankreich und zurück – Zufälle? Gibt’s nicht!

Trinlay Rinpoche und Beru Khyentse

Kleines ParadiesEin paar Wochen ist es nun schon her, seit ich zurück bin aus Frankreich. Dazwischen liegen eine Woche als Bootblogger und diverse andere Ereignisse. Dennoch möchte ich noch einmal kurz darauf zurückkommen und über diese beeindruckende Zeit berichten. Eigentlich wusste ich gar nicht, was mich erwartet, umso mehr Grund habe ich nun, meine Begeisterung über diese eine, ganz besondere Woche zu teilen. Ich, allein, in Saint-Léon-sur-Vézère und drumherum. Ein echtes Abenteuer.

Dass ich mich für Buddhismus interessiere, dürfte dem ein oder anderen hier auf meinem Blog schon aufgefallen sein. Und weil ich wegen der Bootblogger-Reise in Frankreich unterwegs sein würde, passte das buddhistische Zentrum Dhagpo Kagyu Ling hervorragend zu meinem Plan. Zumal dort in der Woche Trinlay Rinpoche unterrichten sollte. Also meldete ich mich wild entschlossen dort an, um vor Ort festzustellen, dass es keine Übersetzung geben würde. Oooops! Mein Schulfranzösisch ist gefühlte Lichtjahre her und war auch nie “spruchreif”. Was tun? Jetzt war ich schon mal da und musste da wohl durch. Gar nicht so einfach, zumal um mich herum auch nur nicht Englisch sprechende Menschen saßen. Also hielt ich tapfer durch, notierte mir Worte wie “vacuité”, “egarement” und “fugacité”, googelte sie zwischendurch und versuchte, irgendwie das aufzusaugen, was ich verstand. Was soll ich sagen, ich hielt die drei Tage durch und nahm eine Menge Informationen mit.

Ein kleines Paradies

Über Airbnb hatte ich mir eine Unterkunft gebucht. Nur fünf Minuten zu Fuß vom Zentrum entfernt. Als Hélène, meine Gastgeberin das Tor zu meinem Zuhause für eine Woche öffnete, wusste ich gleich, dass ich alles richtig gemacht hatte. Ein kleines Paradies erwartete mich. Bestehend aus einem Holzhäuschen mit Terrasse und riesigem Garten. Auch Hélène sprach kein Englisch, sodass wir unsere Sätze immer lustig über den Google-Übersetzer jagten, um uns gegenseitig zu verstehen. Irgenwie klappte das und war ziemlich lustig. Sie schenkte mir Zucchinis und Tomaten aus ihrem Garten, erzählte mir von anderen buddhistischen Zentren, die fußläufig erreichbar waren und sorgte dafür, dass es mir rundum gut ging.

Von ihr erfuhr ich auch, dass  fast nebenan zwölf neue Stupas (buddhistische Bauwerke, die den Buddha und seine Lehre symbolisieren), gebaut werden würden. Unter Anwesenheit hoher Lehrer. Am Tag zuvor hatte ich im Vorbeifahren einen tollen Reitstall entdeckt und dort für den Morgen einen 3 stündigen Ausritt vereinbart. Also machte ich mich zuerst per Pferd auf den Weg durch die wunderschöne Landschaft, um anschließend bedächtig und bei gleißender Hitze dabei zuzusehen, bis zwei der zwölf Stupas letztlich ihre Spitze bekamen und eingeweiht werden konnten.

Medizin-Buddha als “Zugabe”

Auf der Hinfahrt hatte ich bei einer Bekannten übernachtet, die in Henrichemont eine Töpferei besitzt und mir im letzten Jahr mit einer buddhistischen Übersetzung sehr weitergeholfen hatte. Vielleicht sollte ich wirklich einen Französisch-Kurs belegen. Sie berichtete mir schon auf dem Hinweg von einem weiteren Kurs in Dhagpo, der mich etwas überrumpelte. Aber wenn ich schon mal die Gelegenheit haben sollte, einem Teaching von Beru Khyentse, einem hohen tibetischen Lehrer mitzubekommen – diesmal sogar mit Übersetzung – konnte ich mir das natürlich nicht entgehen lassen. Noch dazu hatte er unter anderem den Medizin Buddha als Thema, der auch in meinem Lu Jong Unterricht (tibetisches Heilyoga) eine Rolle spielt, als Thema. Zufälle? An die glaube ich schon lange nicht mehr.

Gesagt, getan. Eigentlich wollte ich mir die Gegend anschauen, aber ich steckte irgendwie seit meiner Ankunft den ganzen Tag in Kursen. Selbst gewählt, wohl gemerkt. Also nutzte ich die Zeit optimal aus. Morgens frühstückte ich mit Blick in die weite Landschaft und besuchte kleinere Orte, bevor es losging. Am späten Nachmittag nach dem Teaching fuhr ich etwas weiter, um mir die Gegend und Städte wie Montignac, Perigueux, Sarlat, Bergerac und Figeac anzuschauen. Vorbei an grünen Wiesen, vielen mittelalterlichen Höhlen, diversen Ziegenkäsereien und Bergen hinein in pulsierende, aber trotzdem wunderbar enstpannte Städte. Ich schlenderte durch die kleinen Gassen und über Märkte, probierte Trüffelöl, diverse Nussprodukte und andere für die Region typische Leckereien. Die Gänse-Spezialitäten sparte ich mir als Vegetarier dann lieber mal. Ich kostete verschiedenste Macarons und Kaffees, streifte natürlich auch das ein oder andere kleine Geschäft und genoss dann wieder die fantastischen Sonnenuntergänge auf meiner Terrasse oder in kleinen Cafés auf dem Weg zurück nach Saint-Leon.

Zugegeben, ich hatte die Dordogne bisher irgendwie nie auf meinem Plan. Und auch mit Frankreich hatte ich bis zum letzten Jahr gar nicht viel am Hut, aber nach diesem Besuch, der mich auf vielen Ebenen tief beeindruckte, bin ich sicher, dass ich sowohl die Dordogne als auch “mein kleines Paradies” schon bald wiedersehen werde.

 

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