München – Tag & Nacht

München Tag & Nacht

„Trump is attacking democracy. We have to fight back and hold on“, sagt T.C. Boyle an einem ungemütlichen Februarabend in der Muffathalle in München. Doch gekommen ist er eigentlich, um sein neues Buch „Die Terranauten“ vorzustellen. Dieses wiederum wird eingeleitet durch ein Zitat der amerikanischen Ethnologin Margaret Mead, das ebenfalls hervorragend in die heutige Zeit passt: „Wir sollten nie daran zweifeln, dass eine kleine Gruppe umsichtiger, entschlossener Menschen die Welt verändern kann. Tatsächlich ist dies das Einzige, was die Welt je verändert hat!“

Der Literaturpunk brilliert an diesem Abend mit humorvollen, aber auch nachdenklich stimmenden Statements und liest selbstverständlich aus seinem Werk vor. Ein paar Menschen – genauer gesagt 4 Frauen und 4 Männer – leben über einen Zeitraum von zwei Jahren in einem überdimensionalen Terrarium. Diesen Versuch um das Überleben in einem geschlossenen Ökosystem gab es in den neunziger Jahren in den USA tatsächlich. Boyle spinnt die Fäden der Geschichte fein und humorvoll um die großen Fragen der Menschheit. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ein Exemplar dieses Meisterwerks bereits auf der Rückfahrt von München nach Dortmund halb und später dann ganz von mir verschlungen wurde.

H.H. BiehlerAber das ist nicht alles, was ich neulich während meines 4-tägigen München-Besuches erlebt habe. Eine gute Freundin wohnt in Schwabing. Nicht ganz unabsichtlich machte ich mich schon zwei Stunden vor unserem Treffen zum Abendessen auf den Weg, um die netten kleinen Geschäftchen anzuschauen. Hängen blieb ich unter anderem in der feinen Schokoladen-Manufaktur H.H. Biehler. Herrliche Pralinchen mit Safran, Basilikum, Schokolade mit Kokosblütenzucker und viele weitere süchtig machende Naschereien nahm ich nicht nur in Augenschein, sondern auch mit. Zwischendurch gönnte ich mir einen Kaffee und leckeren Kuchen im Cotidiano und erstand neben einem Kleid, einer Bluse und witzigen Postkarten noch viele andere Kleinigkeiten. Tatsächlich, jetzt bin auch ich überzeugt, dass München noch ein ganz kleines bisschen mehr zu bieten hat als Weißwurst und Bayern München 😉

Ein Paradies für Gin Tonic Freunde

Und zum Essen ging es dann ins Blue Nile. In einem äthiopischen Restaurant war ich vorher noch nie und deshalb umso gespannter auf das, was uns dort erwarten würde. Böser Fehler: Es ist Freitagabend und wir haben keinen Tisch bestellt. Das sollte man in München an keinem Abend tun, lerne ich. Dennoch haben wir Glück. Eine Geburtstagsrunde hat diverse Grippeausfälle zu vermelden, sodass wir ein kleines Tischchen bekommen. Spannende Kombinationen aus Grünkohl und Frischkäse, verschiedenste Gemüsesorten, Linsen, Kichererbesen und natürlich exotische Gewürze. Das alles serviert auf einer großen Blechplatte, ausgelegt mit Sauerteigfladen. Dazu diverse Dips. Ein Genuss. Man isst hier übrigens mit den Fingern, was erstmal gar nicht so einfach ist, jedoch schnell normal und unterhaltsam wird.

Danach machen wir uns auf den Weg zum Schwabinger Wassermann. Das Ambiente erfüllt leider all meine Vorurteile gegenüber der Münchener Schickeria, einschließlich der Kellner. Aber die Gin-Karte ist mit über 60 teils raren Sorten so unschlagbar gut, dass wir bleiben und uns jeder zwei fantastische Gin Tonics genießen. Einmal fällt die Wahl auf  Sikkim mit 1724 Tonic Water, einmal auf Williams & Chase mit demselben Tonic. Sooo lecker. Mal ehrlich, bei so feinen Drinks ist das Drumherum irgendwann auch völlig nebensächlich…

#dmcmuc mit Fake News und BotsGinTonic

Am nächsten Tag muss ich fit sein, denn bei Microsoft findet das Digital Media Camp München statt. Hektisch springe ich morgens unter die Dusche und wasche mir die Haare… versehentlich mit einem neben dem normalen Shampoo stehenden Hundeshampoo… Nun ja, ich bin an diesem Tag dann ausnahmsweise mal ungezieferfrei unterwegs 😉

Unter #dmcmuc wird schon getwittert, als ich noch in der Bahn zum Ort des Geschehens sitze. Sogar Pallenberg, der gerade erst seine erste Woche in Stuttgart hinter sich hat, und Gutjahr sind da. Ich komme gerade rechtzeitig, um noch schnell ein leckeres Frühstück zu bekommen und lausche dann andächtig der Sessionplanung. Dieses Gebäude wird für die nächsten zwei Tage mein Aufenthaltsort. Einen Bericht darüber, was in Sachen Social Media, Fake News, Bots und Jouranlistmus gerade so passiert und ich in den zwei Tagen gelernt habe, habe ich für Materna newmedia geschrieben. Ihr findet ihn hier.

Scones, Trüffel und Himbeer-Tiramisu im schönen München

Zwei Tage später dann setze ich mein München-Entspannungsprogramm fort. Nach einem unschlagbaren Frühstück bei „The Victorian House“ mit Scones und Clotted Cream (der Wahnsinn!), geht es gestärkt weiter mit ein bisschen Kultur im Museum „Mensch und Natur“ img_1144 und der Ausstellung „Wildlife Photographer of the Year“ mit beeindruckenden Naturbildern und einem anschließenden Spaziergang im Schlosspark. Immer wieder schön. Ein bisschen durch die Straßen im Uni-Viertel-Bummeln und anschließend einen leckeren Cappuccino im Wiener Café & Kaffee genießen war an diesem Tag auch noch drin.

Und weil es auch noch einen Abend gibt, treffe ich mich mit einer Freundin aus Schulzeiten, die schon seit vielen Jahren in der Nähe von München wohnt, mit der ich aber seit Ewigkeiten nicht in Ruhe geplaudert habe. Viel zu kurz sind die wenigen Stunden, die wir – mal wieder köstlichst schlemmend – im Prinz Myshkin verbringen. Ich genieße Tagliatelle mit Trüffeln, meine Begleitung ein unendlich gutes Süßkartoffel-Curry. Ja und Nachtisch muss natürlich auch noch geteilt werden. Ein Tiramisu mit Himbeeren und Lemongras. Wie ein Fingerschnips, es ist schon fast Mitternacht, noch längst nicht alles erzählt und wir gefühlt 10 Kilo schwerer, aber glücklich und ziemlich zufrieden.

Einen Tag später sitze ich schon wieder im Zug in Richtung Ruhrpott, schmökere in T.C. Boyles spannendem Werk und bin grad so voller neuer Energie und frischer Ideen, dass ich mich ein ganz kleines bisschen selbst entschlossen fühle, die Welt zu verändern 🙂

2 Gedanken zu „München – Tag & Nacht

  1. Liebe Ute,
    Dein München-Trip klingt prima! Wie schön, wenn man das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden kann. Beeindruckt bin ich von Deiner Leistung, in 2 Stunden sooo viele schöne Sachen zu shoppen und auch noch einen Kaffee trinken zu gehen. Respekt!
    Und das ganze leckere Essen! Ich sitze zwar noch am Kaffeetisch, aber wenn ich das so lese, könnte ich auch gut lecker essen gehen…
    Liebe Grüße!

    1. Liebe Maike,
      ja, es war fantastisch. Früher mochte ich München nicht, aber inzwischen hat sich das geändert. Es gibt echt tolle Ecken und schöne Viertel. Und gerade, was Restaurants, Cafés und kleine Geschäfte angeht, entdecke ich jedes Mal wieder neue Highlights. Wenn du mal planst, nach München zu fahren, kann ich dir gern noch ein paar andere Tipps geben. Lieben Gruß, Ute

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