#Gamification – Experten-Talk im Kino

#gamification

Wenn es um neue Marketingideen mit Tiefgang geht und darum, wie Menschen denken, handeln und motiviert werden können, wird es spannend. So geschehen im Kino „sweetSixteen“ in Dortmund. Gemeinsam mit Ralf Barthel leite ich seit einiger Zeit den Arbeitskreis Social Media der networker NRW, der die Veranstaltung in Kooperation mit dem eco-Verband und der Wirtschaftsförderung Dortmund durchführte. „Spiele ohne Grenzen – #Gamification als Marketinginstrument“ war das Motto, das nicht nur 50 Gäste ins kuschelige Kino-Ambiente lockte, sondern auch wahre Koryphäen auf diesem Themengebiet. Es gelang uns, Roman Rackwitz, Prof. Tim Bruysten, Stefanie Waschk und Philip Hartmannis gemeinsam zu einer super spannenden Diskussion aufs Sofa zu bringen.

Los ging es jedoch mit einem Vortrag von Roman Rackwitz, der nach eigener Aussage bei dem Wort „Kundenbindungsprogramm“ einen „totalen Hals“ bekommt. Denn, was die üblichen Dienstleister hier machen, greift seiner Ansicht nach viel zu kurz. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler befasste sich intensiv mit der Verhaltenstherapie und den menschlichen Mechanismen, die greifen, wenn spielerische Handlungen ins Spiel kommen.

Wenn Ritter aktiv werden…

Extrinsische Motivation ist für ihn sehr kurzfristig gedacht, die instrinsische ist es, die die Menschen auf Dauer bindet. Denn je mehr Anstrengung sie in ein Spiel oder einen Ablauf gesteckt haben, umso mehr sind sie damit verbunden. So hat er beispielsweise für ein Traditionshotel im Allgäu eine sehr charmante Lösung gebastelt und kommt dabei ganz undigital daher. Der Hotelbesitzer verschickte über 300 handgeschriebene Briefe an Gäste, die durch ihre häufigen Aufenthalte bereits den „Ritterstatus“ erlangt hatten und erinnerte sie daran, dass Ritter durchaus auch eine wohltätige Verantwortung haben. Mittlerweile haben sich die Ritter untereinander vernetzt und planen von sich aus Aktionen, ohne, dass der Initiator noch viel dazutun muss. Dies ist nur eines der vielen gelungenen Beispiele. Rackwitz hat ein 5-Säulen-Modell der Gamification entwickelt, das sich im Einsatz bei zahlreichen Firmen bewährt hat. Verpackt hat er dies an diesem Abend in einem Vortrag mit dem schönen Titel „Im Spiel jagt der Mensch sein besseres ich!“

Vom Gamedesign lernen

Gleich darauf folgte Prof. Tim  Bruysten und pflichtete seinem Vorredner in vielen Dingen bei. Auch bei ihm steht die tiefergehende Motivation im Fokus. Was bewegt uns Menschen wirklich, eine Handlung durchzuführen. Ein Beispiel aus dem SAP-Vertrieb verdeutlicht, wie effektiv Gamification sein kann. Er kritisiert unser Lernsystem. „Vokabellernen ist scheiße“, sagt er und fordert das kontextbasierte Lernen, weil es Spaß macht, weil der Stoff dann viel länger im Gedächtnis bleibt und so viel effektiver gelernt wird. Aus dem Gamedesign, das er an der MD.H University of applied Science unterrichtet,  können wir viel für den Alltag lernen. Wie schaffen wir es, Menschen zu begeistern, wie leiten und motivieren wir sie und erzeugen Loyalität und Produktivität. Das erklärt er an diesem Abend – zumindest in Ansätzen. Einig sind sie sich in einer Sache alle an diesem Abend. Gamification nur um der Gamification willen und nur, weil es grad cool ist, bringt gar nichts.

#Gamification – keine verrückte Idee aus der Nerd-Welt

Weiter geht es mit der spannenden Podiumsrunde, zu der Stefanie Waschk und Philip Hartmanis hinzukommen. Erstere kommt urpsrünglich aus der Gaming-Szene und ist Leiterin der Wirtschaftsförderungsinitiative Engage.NRW, die sich als Schnittstelle zwischen Spiele-Entwicklern und Unternehmen sieht. Sie fragt sich, wie lange es wohl noch dauern wird, bis sich das Vorurteil vom Markt ist, dass Gamification nur eine verrückte Idee aus der Nerd-Welt ist, die nichts mit dem Daily Business von Firmen zu tun hat. Letzterer kommt aus dem Marketingbereich des BVB und hat vor einiger Zeit seine eigene Marketing-Firma Neovaude gegründet. Mit dieser hat er kürzlich ein Recruiting-Game umgesetzt. Ein an Pinball angelehntes Spiel wurde so umgestaltet, dass damit die Skills von Java-Script-Entwicklern geprüft werden können. Ein etwas anderer, aber durchaus effektiver und für beide Seiten spannender Einstieg in die Bewerbungsphase.

Noch lange, nachdem die „offizielle Runde“ vorüber ist, wird im Foyer des Kinos über Gamification diskutiert und genetzwerkt. Irgendwann dann bringe ich die Referenten wieder zurück zu Bahnhof und Hotel und habe ganz viele Impressionen im Kopf und merke, wie ich beginne, erste Ideen zu spinnen.

Als Abschluss noch ein kleiner Schnappschuss von der Hinfahrt. Schon da hatten wir jede Menge Spaß 🙂

Spiele ohne Grenzen - Gamification als Marketinginstrument

Fotos: http://www.muckphoto.de/ – außer Gruppenselfie (Ute Korinth)

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