Twittern für die Dortmunder Philharmoniker – #tdophilko8

#tdophilko8

Bei mir ist es mit der klassischen Musik so wie mit dem Wein. Ich kenne mich nicht wirklich gut aus, kann aber sehr gut sagen, ob mir etwas gefällt oder schmeckt. Fachbegriffe beherrsche ich auf diesem Gebiet ebenso wenig wie fachmännisches Geschlürfe. Und dennoch möchte ich behaupten, dass ich genau weiß, was meine Ohren und mein Gaumen mögen.

Aber worauf will ich hier eigentlich hinaus? Ganz einfach: Auf einen wunderbaren, inspirierenden Abend im Dortmunder Konzerthaus. Es ist nun schon wieder einige Zeit her, dass mich Barbara Volkwein und Christoph Müller-Girod zum Live-Twittern unter dem #tdophilko8 eingeladen haben oder ich an diversen TweetUps teilgenommen habe, die die beiden Kulturbegeisterten organisiert haben. Sie widmen sich mittlerweile anderen Bereichen, bei den Dortmunder Philharmonikern weht nun frischer Wind in Person des Dramaturgen Malte Wasem, der dieses erfolgreiche Konzept jetzt fortsetzt.

Depressive Pizza? Passt schon!

So darf ich gemeinsam mit Maike Kranaster einen Abend VIP-Twitterer sein. Traditionell beginnt dieser in der Pizzeria Vabene, direkt gegenüber des Konzerthauses. Mit Pizza, Pasta und einem Einführungsgespräch. „Was die Dortmunder machen, hat sich mittlerweile weit über die Stadtgrenzen hinaus herumgesprochen“, erzählt Wasem, der sich in dem speziellen Fall auf die Groove Symphony bezieht. Wir lernen, dass Tschaikowsky unglücklich in einen Geiger verliebt war und Rachmaninow auch nicht zu den fröhlicheren Zeitgenossen gehörte. Depressiv und voller Selbstzweifel. Naja, ich höre ja schließlich auch lieber etwas düstere Musik als in meinen Augen an Körperverletzung grenzende HappyHappy-Schlager. Passt schon. Auch Orchestermanager Michael Dühn gesellt sich noch dazu. Ein kurzes Gespräch, wer eigentlich was macht und dann geht es auch schon durch den Bühneneingang hinein in die Location, die mich immer wieder packt.

Einfach genießen oder #tdophilko8 folgen…

Generalmusikdirektor Gabriel Feltz, der es sich an diesem Abend nicht nehmen lässt, selbst zu dirigieren, gibt eine kurze Einführung auf das, was uns erwarten wird. Rachmaninows 3. Sinfonie a-Moll op. 44. Ein paar Einspieler und Erklärungen, dann nochmal eine kurze Pause, bis es tatsächlich losgeht, das 8. Philharmonische Konzert der Dortmunder Philharmoniker. Das Haus füllt sich mit leider immer noch größtenteils älteren Konzertbesuchern. Vielleicht können wir ja durch unser Twittern wenigstens ein ganz klein wenig daran ändern und zeigen, dass klassische Konzerte toll sind und auch Spaß machen können, wenn man sich damit nicht auskennt, sondern sich einfach nur überraschen lassen möchte.

Die Musiker kommen auf die Bühne. Warum haben vor allem viele der Streicherinnen ein kleines Täschchen dabei? Mmh? Ich komme gar nicht dazu, den Gedanken wirklich weiter zu denken, denn es geht schon los. Nun steht im Programmheft, dass Rachmaninow seine dritte Sinfonie am Vierwaldstädter See komponiert hat. Das hätte ich sicher nicht herausgehört ;-), aber irgendwie klingt es tatsächlich ähnlich abwechslungsreich wie  in der Natur. Mal düster und gewaltig, mal leise und ganz zart, dann wieder melodisch und fast ein wenig romantisch. Hach, mich hat er gepackt, der gute Sergej. Im Heftchen steht, dass ihm Kritiker vorwerfen, er habe am Ende seines Lebens „nur Schwaches zu Papier gebracht“. Nun fehlt mir sicher die Kenntnis seiner kompletten Werke, aber das hier finde ich definitv nicht schwach und bin überrascht, dass die erste Hälfte schon vorbei ist.

Ein wenig Plaudern in der Pause und schon erwartet uns Tschaikowskys Violinkonzert D-Dur op. 35. Eine Musik, die sicher jedem von uns schon mal irgendwo begegnet ist. Hört man hier wirklich den Einfluss seines jungen Geige spielenden Lovers, der, so lese ich, zu seiner Muse wurde? Immerhin hat Tschaikowsky selbst gesagt: „Es gibt keinen Zweifel, dass ich ohne ihn nichts hätte machen können!“ Okay, aber zurück zum Geschehen im Konzerthaus. Es wird schmachtend, quirlig, fröhlich und dann wieder wild. Fast meine ich, ein leichtes Zucken in einigen der Besucher-Beine zu sehen. Sie würden gern an der ein oder anderen Stelle einfach gern aufstehen und tanzen, so mein Eindruck. Ich selbst erwische mich dabei, dass ich berührt mitwippe. Das Violinensolo von Mirijam Contzen klingt – zumindest für meine Ohren – unfassbar präzise und gut. Sie lebt dieses Stück. An dieser Stelle noch ein Wort zu Gabriel Feltz. Es macht wahre Freude, ihm beim Dirigieren zu beobachten. Seine Mimik und Gestik sind herrlich versunken. Dass er diese Musik liebt, muss er nicht sagen, das ist seh- und spürbar.

Zack, vorbei! Es gibt Staning Ovations und tosenden Applaus. Gleich mehrere Male kommen Feltz und auch Contzen zurück auf die Bühne und lassen sich  feiern, ebenso wie alle weiteren, brillanten Musiker der Dortmunder Philharmoniker. Ein fantastischer Abend geht zu Ende. Danke, liebe Dortmunder Philharmoniker, für die Einladung. Wie heißt es so schön in einem Zitat von Tschaikowsky: „Musik ist keine Illusion, sie ist Offenbarung“. Wie wahr! Ich komme sehr gern wieder, auch ohne zu twittern… obwohl 😉

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