PottPlausch – Bei diesem ESC hätte das Sektchen eigentlich im Hals stecken bleiben müssen…

Pottplausch II

Lustig gemacht habe ich mich über den ESC schon seit Jahren, ihn höchstens mal als Trash mit Freunden geschaut. Doch in diesem Jahr kam das für mich schon aus Prinzip nicht in Frage. Eine pompöse Veranstaltung an dem Platz, an dem vor nicht allzu langer Zeit noch angeschossene Demonstranten verbluteten. Ein Land, in dem eine russische Sängerin nicht auftreten darf, weil sie die Krim besucht hat. Sorry, aber wer sich dieses Flausch-Spektakel anschaut und dabei Spaß hat, der beherrscht die Kunst des Ausblendens perfekt. Abgesehen von der Peinlichkeit, dass Deutschland Jahr für Jahr irgendwelche schlimmen, seichten Schlagerliedchen ins Rennen schickt, um sich dann später zu wundern, warum es wieder nicht geklappt hat mit dem Erfolg. Natürlich habe ich mitbekommen, dass Portugal gewonnen hat. Ging ja gar nicht anders. Der Song, den nun alle als revolutionär für den ESC, ja der softe Siegerboy Salvador Sobral gar ganz bescheiden selbst als „den Sieg der Musik“ bezeichnet, plätschert für mein Empfinden halt so dahin. „Portugal & Bulgarien wurden doch auf Valium komponiert! #esc2017“, twittert Sascha Pallenberg. Ok, zumindest noch jemand, der sich wundert. Ein wenig fassungslos sehe ich Bilder im Netz – von tanzenden Gorillas, Menschen mit Pferdekopf-Maske und oberkörperposenden Griechen im Pool. Stimmt, die wären als Sieger sicher auch nicht wirklich besser gewesen. Zufall, dass der Ex-Journalist und als Promi-Stalker bekannt Vitali Sediuk genau in dem Moment auf die Bühne stürmte, als die ukrainische Vorjahressiegerin ihr Liedchen trällerte? Sein in die Kamera gehaltener nackter Hintern wäre eigentlich gar kein schlechtes Statement in Richtung der ukrainischen Machthaber, wenn es denn so gemeint gewesen wäre. Allerdings bekamen die davon vielleicht gar nichts mit, denn nach neuer blutiger Gewalt in der Ostukraine musste Präsident Petro Poroschenko seinen Final-Besuch leider absagen… so heißt es. Mal ehrlich, wem da nicht der Siegerchampagner oder auch das bei der fröhlichen Party vor dem Bildschirm kredenzte Sektchen, nicht wenigstens ein bisschen im Hals stecken bleibt, der hat das mit dieser komischen Empathie irgendwie nicht wirklich verstanden.

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