PottPlausch – wenn plötzlich alle für dich singen

Pottplausch_Ruffini

Gar nicht so einfach, wenn du in München bist, wo du sonst immer deine Tante besucht hast, und die nun von einem auf den anderen Tag weg ist. Umso schwieriger, wenn dann auch noch in kürzester Zeit in einem so traurigen Zustand Dinge geregelt werden müssen, die einfach nur nervig sind. Zum Beispiel hinter irgendwelchen Versicherungen, Verbänden und Telefonbetreibern hinterher telefonieren und nach endlosen Warteschleifen völlig matschig durch die Wohnung gehen und in Sachen zu stöbern, die dich immer nur weiter runterziehen. Aber so ist das nun mal mit dieser manchmal schwer erträglichen Vergänglichkeit, von der wir alle wissen, die uns aber dann doch so oft einfach ungebremst mitten ins Herz trifft.

Nun denn, oft geschehen gerade in solchen Zeiten Dinge, mit denen man nicht rechnet. So auch bei mir. Schon immer war es so, wenn es mir nicht gut ging, dass mir „irgendwas mit Musik“ geholfen hat, diese Phasen zu überwinden. So auch jetzt. Nach einem fürchterlichen Tag und noch schlimmerem Streit mit meiner Familie bin ich in München einfach aufs Fahrrad gestiegen und durch die Gegend gefahren. Bis ich irgendwann an einem Plakat für ein Konzert mit Kiefer Sutherland vorbeikam, der an diesem Abend in der Tonhalle spielte. Ja, Jack Bauer singt. Kurzerhand kaufte ich mir vor der Tür noch ein Ticket und ließ mich für ein gutes Stündchen ablenken, durch eine Musik, die irgendwo zwischen Country und Folk liegt, für mich aber an diesem Abend ziemlich gut passte. Erst auf dem Rückweg zu meiner schönen Airbnb-Unterkunft in Neuhausen (eigentlich buche ich kaum noch über einen anderen Anbieter, weil ich immer so schöne Erfahrungen gemacht habe), merkte ich, dass ich über eine Stunde mit dem Rad gefahren war.

Todmüde fiel ich ins Bett und überlebte irgendwie die Trauerfeier am nächsten Tag und wollte danach nur noch raus. Was lag also näher, als eine Runde durch den Olympiapark zu joggen? Eigentlich nichts. Also: Rein in die Joggingklamotten und los. Schon auf dem Weg fiel mir ein wunderschöner Regenbogen auf, der mich schon kurz innehalten ließ. Als dann noch ein Typ auf mich zukam und mich fragte, ob ich vielleicht zum Depeche Mode Konzert gehen möchte, stutzte ich dann doch extrem. Er schenkte mir das Ticket, weil er es einfach nicht loswurde. Mal ehrlich. Seit Jahren erzähle ich, dass ich diese Band eigentlich nicht mehr live sehen möchte, weil ich damit so unendlich viele Erinnerungen verbinde. Doch immer wieder kreuzen die Jungs auf irgendeine Art und Weise meinen Weg, ohne, dass ich da etwas zutue. Ein bisschen gestalked fühlte ich mich schon in diesem Augenblick, aber auch irgendwie dankbar 😉 Also schaute ich an mir herunter, begutachtete meine Jogginghose und befand diesen Zustand für „komplett egal“. Was soll ich sagen, ich ließ mich zwei Stunden lang von Herrn Gahan & Gore, deren mit irgendeinem Glitzerzeugs eingesprühten nackten Arme mich übrigens zwischendurch ziemlich schmunzeln ließen, besingen und  vergaß in dieser Zeit den ganzen fies belastenden Kram. Natürlich, erntete ich am nächsten Tag vorwurfsvolle Blicke, weil ich in so einer Situation tatsächlich auch mal ein wenig andere Dinge als traurige Gedanken brauchte. Aber mal ehrlich, es tat gut, so gut. Da kann ich nur sagen, try walking in my shoes, you’ll definitely stumble in my footsteps…

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.