Pferde, Glück und der Zusammenhang…

Wanderreiten im Münsterland

Raus aus dem Alltag, rein ins Münsterland. Oder so ähnlich… Am frühen Sonntagmorgen machte ich mich auf ins kleine Örtchen Rosendahl. Warum? Weil ich bei der diesjährigen Equitana so begeistert von Elke Waning und ihren Tinker-Pferden war, dass ich direkt einen Wanderritt buchen wollte. Einige Termine waren ausgebucht, andere passten nicht in meinen Plan, deshalb musste ich bis Oktober warten, um zum Zentrum für Freizeitreiten zu fahren.

Was soll ich sagen… das Warten hat sich mega gelohnt. Nun muss ich dazu vielleicht kurz erwähnen, dass ich auch schon etwas schlechtere Erfahrungen gemacht habe, was Reittouren angeht. Ich wollte also dieses Mal weder im Jagdgalopp auf rutschigen Waldwegen um Kurven sausen und mich anmotzen lassen noch mein Geld unfreundlichen, profitgierigen Menschen in Massenbetrieben in den Rachen werfen.

Tinker-Dame River

Aber bei Elke läuft alles anders. Gemütlich, fürsorglich und doch professionell. Die Pferde werden für jeden Reiter einzeln ausgesucht. „Ihr müsst zusammenpassen“, sagt sie und kennt nicht nur jedes ihrer Pferde ganz genau, sondern kann auch die Reiter sehr gut einschätzen. In einem kleinen Sektründchen am Morgen darf jeder erstmal erzählen, wie lange er schon reitet und welche Kenntnisse und Bedürfnisse er hat. Ich bekomme „River“, eine noch jüngere Tinker-Dame und fühle mich sofort wohl in ihrer Gesellschaft. Gemeinsames Putzen, Satteln und Plaudern. Wir sind 17 Leute und haben drei Rittführer mit, die bei allen Fragen und Problemchen sofort zur Stelle sind und sehr nett weiterhelfen.

Wir reiten durch das wunderschöne Münsterland, über Stoppelfelder, an Rapsfeldern vorbei, an Bauernhöfen, über Wiesen und durch Wälder. Kein Rumgezicke zwischen den Pferden. Brav reihen sie sich im Trab und Galopp ein und reagieren fein sensibel auf alle Hilfen. Erst ist es noch ungewohnt für mich, nach langer Zeit mal wieder ohne klassische Zügel zu reiten, aber das gibt sich schnell. Und, wer einmal im Westernsattel gesessen hat, weiß auch, dass man bequem sitzt und auch über längere Strecken keine fiesen Schmerzen bekommt. Also: alles gut.

Mittags picknicken wir in einem Waldstück. Die Pferde werden an den Bäumen angebunden, während wir uns niederlassen, um zu speisen. Eine große karierte Picknickdecke, gefüllt mit allerlei Köstlichkeiten, Wein und Kaltgetränken bildet den Mittelpunkt. Herrlich.

Idylle pur

Nach einer weiteren Etappe schließlich kommen wir im Landhaus am Dahlberg in Billerbeck an – etwas erschöpft, aber hoch zufrieden. Die beiden Gastgeber empfangen uns mit offenen Armen und einer Wahnsinnstafel. Erstmal die Pferde auf die Weide bringen, duschen, Zimmer im denkmalgeschützten, zweihundert Jahre alten Landhaus beziehen. Wenn der Ausdruck malerisch irgendwo passt, dann hier. Lucia und ihr Mann verwöhnen uns mit Datteln im Speckmantel, einer Kürbissuppe, Flammkuchen und einem Pflaumen-Nachtisch. Ich rolle ins Bett, um am nächsten Morgen wieder frisch aufs Pferd zu steigen.

Aber erstmal gibt es Frühstück. Nein, nicht irgenein Frühstück. Wieder lockt eine lange Tafel. Es gibt frisches Obst, Rührei, diverse Brotsorten und Brötchen, Käse, Wurst, Müsli, Kuchen und ein Lächeln der Gastgeber. So gestärkt reiten wir heute in die Baumberge. Und habe bis auf einen kleinen, heftigen Schauer sogar richtig Glück mit dem Wetter. Die Sonne lässt die Landschaft und uns strahlen. River ist im Schritt gemächlich, kann aber im Galopp ordentlich Tempo machen. Ein tolles Pferd, wie auch all die anderen. Probleme gibt es keine, am ganzen Wochenende nicht. Mittags erwartet uns ein gedeckter Tisch an einem kleinen Picknick-Platz. Schlemmen im Grünen mit kleinem Nickerchen in der Sonne sind angesagt. Fantastisch und so genial, um den ganzen Alltagsstress von jetzt auf gleich komplett zu vergessen. Abends dann gibt es Köstlichkeiten vom Grill, Kartoffeln, Scampi, Gemüsespieße, Fleisch in jeglicher Variation, köstlichen Salat und vieles mehr. Dazu muss ich sagen, dass Vegetarier hier absolut tolle Speisen bekommen. Woanders wurde für mich dann ein Grillkäse aufgelegt, der mir nicht ganz durch serviert wurde mit einem müden Lächeln darüber, dass ich kein Fleisch esse. Zwei Welten. Diese hier gefällt mir eindeutig um Längen besser.

Noch ein Wort zur Reitgruppe. Alles ist sehr harmonisch, das Alter und die Charaktere gemischt, aber ich unterhalte mich mal hier, mal dort. Und es ist auch in Ordnung, sich mal müde zurückzuziehen. Alles sehr entspannt.

Schon ist der letzte Tag gekommen. Wir reiten vorbei am Kloster Gerleve, wo es ein kleines  Reiterschnäpschen gibt, über Wiesen und durch Herbstwälder nach Rosendahl. Natürlich erwartet uns auch heute zwischendurch ein Picknick im Wald. Mit frischer Tomatensuppe, Käse, Schinken, Brot, Getränken und allem, was das Reiterherz erfreut. Wahnsinn. Zurück im Zentrum für Freizeitreiten erwartet uns Elkes Mutter mit frischem Kuchen und Kaffee. Alles steht schon bereit. Die Pferde werden abgesattelt. Der Abschied fällt nach drei Tagen schon ein wenig schwer, denn man gewöhnt sich schnell aneinander und groovt sich irgendwann so richtig ein.

Ich bin total begeistert – von den Pferden, von den Menschen und von der Umgebung und natürlich auch der Verpflegung 😉 Es war ein großartiges Wochenende. Ich komme wieder, keine Frage, gar keine Frage…

 

May I introduce to you: River ?… deep river… very deep river…

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2 Gedanken zu „Pferde, Glück und der Zusammenhang…

  1. Liebe Ute,
    ich bin ja gar kein Pferdemensch und habe die Faszination, die andere für diese großen Tiere haben, nie wirklich verstanden. Deinen Artikel habe ich jetzt ehrlich gesagt nur gelesen, weil ich wissen wollte, wie es Dir ergangen ist. 🙂 Und erstmalig habe ich verstanden, was so schön daran ist, mit einem Pferd unterwegs zu sein.
    Habe Deinen Artikel direkt an eine reitende Freundin weitergeleitet. Das klingt wirklich toll!
    Vielen Dank dafür!
    Liebe Grüße!
    Maike

    1. Haha, wer weiß, vielleicht traust du dich doch noch irgendwann aufs Pferdchen. Aber ich muss sagen, dass ich oft auch schon Pech hatte. Hier stimmte dieses Mal wirklich alles. Pferde, Betreuung, Verpflegung und Landschaft einfach klasse 🙂

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