Desperately in love with Bremen…

#djhnwBremen

Das neue Jahr ist erst ein paar Tage alt. Viele von euch hatten vermutlich zwischen Weihnachten und Neujahr frei. Ich mag das Arbeiten zwischen den Jahren. Man bekommt so viel weggeschafft, was das ganze Jahr über liegengeblieben ist und hat endlich mal Zeit, sich um die Dinge zu kümmern, die immer noch ganz unten in der Ablage schlummern. Umso schöner finde ich es, dann zu verreisen, wenn die anderen wieder arbeiten müssen. Urlaub antizyklisch, quasi. Dieses Mal folge ich einer Einladung der Jugendherbergen zwischen Nordsee und Sauerland nach Bremen.

Als ich ankomme, nieselt und stürmt es etwas fies. Außerdem bin ich zu früh, weil ich erst ab 15 Uhr in mein Zimmer kann. Macht aber nichts, das wusste ich ja schließlich vorher. Also führt mein erster Weg in Bremen ins Canova, das Café in der Kunsthalle. Erstmal einen Kaffee und dann mit Kultur starten. Momentan läuft die Ausstellung „Max Beckmann: Welttheater“ in dem wunderschönen Gebäudekomplex. Mir sagte der Name vorher nichts, was aber natürlich nichts heißen soll. So lasse ich mich einfach treiben und schlendere durch die Ausstellung. Dass Beckmann, der von 1884 bis 1950 lebte, fasziniert war von der bunten Welt von Theater, Zirkus und Varieté ist nicht zu übersehen. Aber die feine Botschaft in den oft üppig-farbigen Werken ist eine andere. Denn er schaut nicht einfach stumpf auf die Theaterwelt sondern analysiert in seinen Bildern menschliche Beziehungen und Dramen und stellt diese sehr gekonnt dar. Nach einer spannenden Reise durch Zeit, Kunst und Metaphorik begebe ich mich auf ein kleines Ründchen durchs Viertel. Ich bleibe in vielen der kleinen, individuellen Lädchen hängen, schlendere durch die Straßen drumherum, bewundere die liebevoll gestalteten Häuschen und lande schließlich im Cafe Lei. Hier arbeite ich nicht nur ein bisschen, sondern genieße ein hervorragendes Steinpilzrisotto. Frisch gestärkt mache ich mich auf den Weg in die Jugendherberge, die in der Kalkstraße direkt an der Weser liegt.

Jugendherberge Bremen als „Base“

Das bunte, würfelige Gebäude und die große Dachterrasse fällt direkt auf, wenn man um die Ecke biegt. Die Damen am Empfang begrüßen mich nett, informieren mich über Frühstück, Schlüsselkarte und andere Dinge. Für 2,60 Euro bekomme ich täglich einen Parkausweis. Das ist super, denn das Parken ist sonst nur für zwei Stunden möglich und extrem teuer. Mein Zimmer ist zweckmäßig, aber sehr sauber. Mit Dusche, WC, WLAN und genug Steckdosen für einen digitalen Menschen wie mich. Als ich runtergehe, um noch ein paar Sachen aus dem Auto zu holen sehe ich schon von der Ferne aus, dass ein SUV versucht, neben mir einzuparken. Ein Unheil bahnt sich an, ich kann es jedoch nicht mehr verhindern. Zack, schremmelt er in mein Auto. Ich erspare mir an dieser Stelle meinen Gedanken zu diesem Zeitpunkt. Fast zwei Stunden dauert es, bis die Polizei den Schaden aufnimmt und mir damit meinen Zeitplan mal so richtig durcheinanderwirbelt. Meine Laune ist nur kurz im Keller, nach einem heißen Tee geht es wieder.

Ich laufe nochmal ins Viertel, denn ich habe Lust auf Kino. Eine gute halbe Stunde lang laufe ich entlang der Schlachte, streife das Schnoor-Viertel, komme wieder an der Kunsthalle und am Theater vorbei, wo ich kurzerhand ein Ticket erstehe, und komme schließlich in der Schauburg an. Nicht nur das Kino ist heimelig-schön, auch das Cafe lohnt einen extra Besuch. Ich gönne mir ein Stück leckeren Schokokuchen und natürlich einen Cappuccino. Mein Blick fällt auf die Gin-Auswahl. Oh ja, das passt. Ein TonkaGin mit FeverTree Tonic darf mit in „The Killing of a Sacred Deer„. Als ich aus dem Kino komme, ist es fies nieselig, sodass ich die Straßenbahn zurück nehme. Die hält fast direkt vor der Tür und fährt fast bis zur Jugendherberge. Hundemüde falle ich nach meinem aufregenden ersten Tag ins gemütliche Bett und schlafe durch, bis am nächsten Morgen mein Wecker klingelt.

Warum? Weil der zweite Tag sportlich wird. Ich habe mich schon vorher zum Aqua Cycling angemeldet. Davon hatte mir eine Freundin schon vor einiger Zeit vorgeschwärmt und ich wollte es endlich mal ausprobieren. Das ist übrigens das einzige Mal, dass ich in den gut drei Tagen mein Auto bewege. Ich fahre ins OTE-Bad, das außerhalb liegt und verausgabe mich bei Musik 45 Minuten auf einem Aqua-Bike. Das macht total Spaß und keinen Muskelkater, wie ich hinterher freudig feststelle. Ist aber nicht unanstrengend und sehr effektiv… wenn man es öfter macht ;-) Zufrieden fahre ich zurück in meine „Bremen-Base“ und laufe ins Café Karton.

Posten und Schlemmen

Dort lese ich ein Weilchen, frühstücke und arbeite. Schließlich habe ich ja versprochen, über die sozialen Netzwerke etwas mit dem Hashtag #djhnw zu posten.

Das WalnussBrie-Birne Panini ist der Hit, ebenso wie das gemütliche Ambiente und die entspannte Atmosphäre. Hier könnte ich eigentlich den ganzen Tag sitzenbleiben, raffe mich nach zwei Stündchen aber dann doch auf und schaue mir die berühmte Böttcherstraße an, muss natürlich einmal an den Bremer Stadtmusikanten halten, wandele durch die so genannte Markthalle 8, probiere dort das geniale GoldCorn Popcorn – und erstehe ein Tütchen meines Favoriten India Spice Caramel -, gönne mir einen Cappuccino und lasse mich anschließend durchs Schnoor-Viertel treiben. Natürlich erstehe ich ein paar Kleinigkeiten. Einen Ring in der Stein-Zeit, ein paar Schuhe, ein paar Pralinchen in Schröter’s Chocolaterie, eine glitzernde Fee (Mitbringsel!)  im Ganzjahres-Weihnachtsladen.

Ein Paradies für Cappuccino-Lover

Jetzt noch einen Cappuccino vor der Yoga-Stunde, die ich auch schon von zu Hause aus gebucht hatte. Aber wo gönne ich mir jetzt noch ein Pause. An Cafés mangelt es nicht, aber ich möchte was richtig Schönes. Und lande im Fiev Sinn. Hier bekomme ich nicht nur ein leckeres Koffeingetränk, sondern auch Eis aus frischen Zutaten, leckere Schokolädchen, bewundere schöne Taschen, Tassen, Bremer Kaffee und Bremer Gin. Ja, den gibt es tatsächlich. Und er schmeckt hervorragend. Er heißt „MITNIG“ und schmeckt mir in der Variante „MITNIG58“ am besten – mit Zitronen-Gurke-Note. Ein kleines Fläschchen kommt dann auch mit, bevor ich mich aufmache in die „Urban Yoga Lounge“, um eine Stunde „Basic“ mitzumachen und anschließend ganz entspannt zurück zur Jugendherberge zu laufen.  Tag 2? Auch perfekt!

Und ich beginne diese Stadt wirklich zu lieben. Als ich am nächsten Morgen aufstehe nieselt es leider wieder, aber ich mache mich trotzdem auf den Weg in Richtung Überseestadt. Denn dort habe ich das Lloyd Café im Netz entdeckt. So richtig Lust habe ich nicht auf den Fußmarsch von gut 45 Minuten, aber entschließe mich dann doch, den inneren Schweinehund zu überwinden und nicht die Bahn zu nehmen. Es soll sich lohnen. Denn nach einiger Zeit komme ich in ein uriges Industriegelände mit alten, teils verfallenen, Gebäuden. Mittendurch fließt Wasser. Und ich bin, weil es eben so nass und noch früh ist, fast allein unterwegs und entdecke immer neue Ecken, bis ich schließlich im Café ankomme. Hier gibt es seit 1930 handgeröstete Cafés, Röstseminare, leckere süße Kleinigkeiten und echtes Industrie-Ambiente. Ich verweile auch hier lesend und mit zwei Cappuccinos und feinen Küchlein, um mich dann auf den Rückweg zu machen.

Ein bisschen Achtsamkeit inmitten des Viertels

Dieses Mal nehme ich ein Tagesticket für 8 Euro und fahre Bahn. Ins Viertel. Weil es dort einfach so schön ist und immer wieder neue Dinge zu entdecken gibt und ich hier endlich dazu komme, auch ein paar Dinge zu kaufen, die ich schon länger auf dem Schirm hatte, aber irgendwie nie geschafft habe, zu erstehen. Blöd eigentlich, aber umso entspannter nun, sie hier zu kaufen. Noch ein Getränk in der Buddhawelt nehmen, ein bisschen plaudern, Statuen und Tees bewundern und dann zurück in die Jugendherberge. Die Zeit verrinnt wie im Fluge, aber eine kleine Pause gönne ich mir doch.

Zwei Häuser neben der Jugendherberge ist die Wohnküche. Sagt mir nichts, sieht aber nett aus. Und ist, wie ich schließlich lese, der Ort, wo die Talkshow „3nach9“ immer aufgezeichnet wird. Heute jedoch glücklicherweise nicht, denn es ist ja Samstag. Es ist sehr stylisch hier, modern, schön. Aufmerksame Kellner, eine witzige Speisekarte im Zeitungsformat und den besten Burger der Welt. Also zumindest den besten, den ich je gegessen habe (bin Vegetarierin). Welchen habe ich gewählt? Den TunaBurger! Und dazu noch Süßkartoffelpommes mit Limetten-Mayo. Muss sein. Bin kurz vorm Platzen und laufe daher zum Theater statt die Bahn zu nehmen, um mir dort „Amerika“ nach Franz Kafkas Roman-Fragment „Die Verschollene“ anzuschauen. Auch schwere Kost, aber anders. Und mit einem wunderbar schlichten Bühnenbild, einer fantastischen Band und einer riesigen Puppe, mittels der die Geschichte erzählt wird. Tag 3? Was soll ich sagen… klasse!

Am Sonntag muss ich leider schon wieder abreisen und räume etwas wehmütig morgens mein Zimmer. Aber sofort fahren wäre blöd. Am Tag zuvor hatte ich in einem Magazin von einem Brunch-Konzert im Swissotel gelesen (findet übrigens jeden ersten Sonntag im Monat mit unterschiedlichen Musikern statt). Ich bin zu früh unterwegs und entdecke auf dem Weg die „KaffeeMühle„. Eine alte Mühle, in der nun ein Café untergebracht ist. Es ist rappelvoll, aber ich erwische noch ein Plätzchen in der oberen Etage. Auf einen schnellen Cappuccino mit schönem Ausblick reicht’s. Es ist zwar der schlechteste Cappuccino, den ich in Bremen trinke, aber das Niveau ist auch echt hoch. Und manchmal zählt auch einfach die Location ;-) Im Swissotel sitzen schon einige Menschen beim Brunch und warten darauf, dass Depui und seine Band spielen. Und dann legt der Norweger los. Mit cooler Reibeisenstimme und irgendwas zwischen Folk, französischen Chansons und Rock. Eine feine Mischung an diesem Sonntagmorgen. Nach einem Stündchen komme ich raus und die Sonne strahlt, was das Zeug hält. Eigentlich sollte ich mich mal endlich auf den Heimweg machen.

Eigentlich. Aber das Wetter… Ich erinnere mich, dass eine Freundin, die öfter in Bremen ist, mir vom Café Radieschen erzählt hat. Ein Stück zu laufen, genau das Richtige, um Abschied von dieser wunderschönen, bunten Stadt zu nehmen, in der ich übrigens nur auf nette Menschen getroffen bin. An der Weser entlang, durch Straßen, vorbei an noch mehr Ecken, die ich gern näher erkunden würde (beim nächsten Mal), bis in das Café. Eine fantastische Idee, diesen Weg noch zu machen. Das Café ist sehr klein, sehr rosa und sehr gemütlich, lecker und schön. Die selbstgemachten Torten sind der Brüller und haben definitiv Suchtpotenzial. Der Chai-Latte kommt in einem Glas mit Häkelumrandung auf meinen Tisch, alle sind hier gut gelaunt. Ich will gar nicht wieder weg. Ok, noch ein Abschiedscappuccino. Und dann laufe ich noch einmal zurück zur Jugendherberge, wo mein Auto parkt, genieße die Sonnenstrahlen und die frische Winterluft und weiß, ich werde bald wiederkommen. Ganz bald!

MEINE 12 MUST-DOS FÜR EINEN KURZTRIP NACH BREMEN
  • Morgendlicher Spaziergang entlang der Weser und durch die Stadt
  • Besuch einer Ausstellung in der Kunsthalle
  • Ein Cappuccino im Café Lloyd mit Industriegelände-Gang
  • Ein Shopping-Bummel durch das Viertel
  • Kaffee und Kuchen im Café Radieschen
  • Burger in der Wohnküche
  • Tee im Buddhawelt
  • Panini im Café Karton
  • Kinofilm inklusive Gin Tonic in der Schauburg
  • Popcorn in der Markthalle8
  • Stöbern und Verweilen im „Fiev Sinn“
  • Schlendern durch die Böttcherstraße