Juicy Beats 2018 – It Kicked Like A Sleep Twitch

TitelbildJuicyBeats_klein

Alle Jahre wieder wird der Westfalenpark zum köstlichen, musikalischen Fruchtpotpourri! Längst hat das Juciy Beats Kultstatus erreicht. Es ist Freitagabend und ich radle ganz langsam zum Festival. Die Hitze ist auch um 19 Uhr noch so heftig, dass jede Bewegung die vorherige Dusche obsolet werden lässt. Aber ich habe es wenigstens versucht… 

An diesem Tag schaffe ich es nur zum Abschluss auf der Mainstage. Ich schlängele mich durch die feiernden Massen, treffe in dem Meer von Menschen sogar zufällig zwei Bekannte. Ein Kaltgetränk und weiter geht’s. Ich mag das Juicy Beats. Ich empfinde es als sehr viel angenehmer als übliche Musikfestivals. Kein Mainstream, Essenstände, die nicht nur Bratwurst und Pommes und Pizza anbieten, Verkaufsstände mit erfreulicherweise zum Teil nachhaltigen Taschen, Shirts und mehr. Aus jeder Ecke klingt ein anderer Beat, andere Lichter, tanzende Menschen. Ein perfektes Sommermärchen? Ich finde schon. Und als ich dann pünktlich zum Auftritt von Kraftklub in der Nähe der Bühne ankomme, fehlt eigentlich nur noch die Mondfinsternis bzw. der Blutmond. Die gibt es aber im Park nicht, weil Wolken im Weg sind. Dafür aber ein ziemlich feines Konzert. Die wabernde Masse bewegt sich im Takt, singt Zeile für Zeile mit. Nee, ich will an diesem Abend auch nicht nach Berlin. Ist schön in Dortmund :-)

Am Samstag hatte ich auf etwas Abkühlung gehofft… aber Fehlanzeige. Zwar ist der Vormittag noch etwas verregnet, aber am frühen Nachmittag, als ich losziehe, ist es so schwül-warm, dass Begrüßungen inklusive Berührung an diesem Tag definitiv ausfallen müssen. Am zweiten Tag habe ich ein paar Bands im Blick, die ich auf keinen Fall verpassen möchte. Nun ja, ich schaffe sie nicht alle, weil ich immer wieder hier und da jemanden treffe und auf ein, zwei Getränke hängenbleibe. Aber genau das macht Juicy Beats aus. Eigentlich ist es eine riesige Sommerparty mit cooler Musik, gut gelaunten Menschen und jeder Menge netter Momente.

Tom Smith 2018Ich freue mich vor allem auf die Editors. Als Tom Smith und seine Jungs um 17.30 Uhr die Bühne betreten, hat sich der Himmel ziemlich verdunkelt. Ein bisschen spooky ist es schon, denn genau in dem Moment, in dem der Song „An End Has A Start“ läuft und Herr Schmidt die Worte „I don’t think that it’s gong rain again today“ ins Mikro singt, fallen die ersten Tropfen.

Ja, ja, „There’s a devil at your side but an angel on the way“ ;-) Der Sommerregen ist aber eher eine Wohltat als unschön. Alle feiern im Regen, singen, tanzen. It Kicks Like A Sleep Twitch – wie wahr.

Ein bisschen bekomme ich von noch von Ori mit. Der Weg zur Poetry Stage ist dann, gefüllt mit Menschen, doch etwas weiter als gedacht. Der in Jerusalem aufgewachsene und inzwischen in Berlin lebende Sänger bezaubert mit leisem und zugleich umso schönerem Sound. Wo ist nochmal die Konzerthausbühne? Ah, andere Richtung. Zwischendurch mal schnell einen Veggie-Wrap gönnen und einen Kaffee. So ein Festival-Tag macht zwischendurch etwas müde.

 

Singing in the Rain mal anders…

 

Aber Otzeki will ich unbedingt mitbekommen. Von diversen Leuten habe ich sie als Geheimtipp mit auf den Weg gegeben bekommen. Das britische Duo – bestehend aus den beiden Cousins Mike Sharp und Joel Roberts – entpuppt sich an diesem Tag für mich als absolutes Highlight. Die Stimme von Mike Sharp, gemischt mit E-Gitarre und Synthiesound. So tanzbar, so grandios, so mitwippzwingend, so klasse. Sorry, aber ich bin wirklich schwer begeistert. Und als es plötzlich beginnt, in Strömen zu regnen, schwingt sich die Otzeki-Stimme nur noch mit Unterhose bekleidet, singend durch den Regen und begeistert den immer voller werdenden Spatengarten im Park. Alle feiern, alle lachen, alle sind angefixt von den beiden sympathischen Briten und ihrem genialen Sound. Eine Stunde geht rum wie nix. Zugabe… wäre schön, aber würde den Zeitplan durcheinanderwirbeln. Deshalb dann demnächst irgendwo anders. Bin dabei, garantiert!

Schon ist es Abend. Kontrastprogramm mit „Feine Sahne Fischfilet“. Die Jungs aus Meck-Komm geben alles. Selbst als das Mikro ausfällt, singt Sänger „Monchi“ weiter gegen Nazis und Rechte. Das Publikum unterstützt ihn nach Leibeskräften, bis die Technik wieder läuft. Währenddessen machen die 257ers die Hauptbühne als Abschlussband unsicher. Turnübungen, Holz, Party. Es ist inzwischen dunkel. Der Regen ist vorbei. Der Park groovt. 50.000 feiernde Menschen.

Danke, Juicy Beats 2018. Bis zum nächsten Jahr!

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