Karma, Katzen und Kringel in Krakau

Krakau

Eigentlich hätte genau diese Reise vor acht Jahren stattfinden sollen. Flüge und Hotel waren gebucht, aber dann ist einen Tag vor dem Abflug meine Oma gestorben und damit auch der Kurztrip nach Krakau. Nun endlich hat es geklappt. 2,5 Tage in einer wunderschönen, pulsierenden und inspirierenden Stadt.

Beinahe hätte ich noch meinen Flug verpasst. Gemütlich einen Kaffee trinkend fiel mir plötzlich auf, dass der Flug eine Stunde früher ging als ich in meinem Kopf gespeichert hatte. In rasender Eile schnappte ich mir meine Klamotten und düste zum Flughafen, um rechtzeitig auf meinem Platz im Flieger zu sitzen.

Schon krass, wenn man in 1 Stunde und 40 Minuten mitten in Polen ist und schon bei der Ankunft in der Stadt die besondere Atmosphäre spürt. Der Bus fährt rund 25 Minuten vom Flughafen in die Stadt. Schon auf der Fahrt sehe ich überall kleine Cafés, alte und neue Bauten, viele junge Menschen. Irgendwie herrscht Aufbruchstimmung. Hier tut sich was. Kreativ und innovativ. Ein bisschen wie in Berlin, aber noch hübscher, was das Ambiente angeht ;-)

Meine Airbnb-Wohnung liegt circa fünf Minuten von der Weichsel und dem urigen Kaufhaus Jubilat entfernt in einem kleinen Hinterhof. Ich spaziere zuerst über den zentralen Platz, um den sich die Stadt aufbaut, den Rynek mit den berühmten Tuchhallen, der Marienkirche, einer gotischen Basilika aus dem 14. Jahrhundert und diversen Statuen. Der ganze Platz ist an diesem Abend übersät mit Ständen voller netter Kleinigkeiten. Da gibt es Röcke, Schmuck, aber auch Kaffee, Brot und den für meinen Geschmack etwas gewöhnungsbedürftigen Oscypek. Das ist geräucherter Schafskäse, der allerdings extrem salzig schmeckt. Mein Weg führt mich ins Café Camelot, das eigentlich immer voll besetzt ist. Kein Wunder, innen urig, außen gemütlich und mit dem Himbeerkuchen ein echtes Highlight. Zu einem späteren Zeitpunkt esse ich dort Piroggen, gefüllt mit Spinat und Ricotta, die genauso himmlisch schmecken.

Kirche und Kreativität

Gestärkt geht es kreuz und quer durch die Stadt. Vorbei am Wawel, der riesigen, ehemaligen Residenz der polnischen Könige, ins jüdische Viertel Kazimierz. Die vielen Murals und Graffitis an den Wänden fallen mir sofort ins Auge. Viele politisch, manche witzig, aber fast an jeder Straßenecke eines. Leider findet in den Tagen, in denen ich da bin, keine StreetArt-Führung durch Krakau statt. Die gibt es nämlich hier. Dafür mache ich am nächsten Abend eine mystische Tour mit. Da geht es um Alchimisten der Stadt und irgendwelche Geister, die noch heute herumspuken, aber auch um Geschichten von Heiligen und grausamen Taten. Nicht sooo spannend, aber natürlich wieder vorbei an gefühlt hunderten Papst Johannes Paul-Bildchen, Gemälden und sonstigen Statuen.

Bevor es eines der leckeren polnischen Biere gibt, führt der Weg zum Plac Nowy. Hier steht mitten auf dem Platz ein großes, rundes Gebäude, in dem über 10 Zapiekanka-Büdchen untergebracht sind. Zapiekanki sind halbierte Baguette, belegt mit den unterschiedlichsten Dingen. Mal mit Zwiebelstücken und Gewürzmischung, mal mit Kraut und Pilzen, mal einfach nur mit Käse und Knoblauch. Sie sind ein beliebter Snack und kosten umgerechnet nur rund 1 bis 2 Euro. Hier trifft man sich, um dann in einer der vielen Kneipen und Biergärten etwas zu trinken oder im Club zu feiern.

Mein Weg führt zuerst ins Okna Café, wo es ein Himbeerweizen im Garten gibt. Danach sitzen wir gemütlich im Mleczarnia, um noch ein Gläschen zu genießen. Beim Bestellen von Bier muss man wissen, dass die Polen gern überall irgendwelchen Sirup reinmischen. Einmal probiere ich das auch, obwohl ich eher skeptisch bin. Mutig ordere ich Bier mit Kokossirup. Schmeckt nicht soooo toll… Der Abend endet im Propaganda, einer Kneipe, in der Punk-Musik läuft, Plattenspieler und Schaufensterpuppenbeine in düsterer Atmosphäre von der Decke hängen. Herrlich skurril.

Morgens schlendere ich an der Weichsel entlang, vorbei am Feuer speienden Wawel-Drachen. Tagsüber tummeln sich hier hunderte Leute, um die Uhrzeit spuckt er noch für mich allein Feuer. Der Wawel-Drache steht am Fuße des Wawel-Schlosses und entstammt einer polnischen Sage. Er soll angeblich in einer Höhle unter dem Wawelhügel gehaust haben. Jetzt steht er da aus Metall und spuckt ein paar kleine Flämmchen.

Ich entdecke ein wunderschönes, kleines Café, die Somnium Café Bar und genießen einen Cappuccino in der Morgensonne. Erst ein paar Tage vorher hatte ich in Dortmund das erste Mal Kaffee Tonic getrunken. Hier gibt es diesen sommerlich-frischen Genuss fast überall. So lecker. Überhaupt bin ich total überrascht, wie viele Cafés und Restaurants es hier mit fairen Produkten gibt. Es scheint, als achte man hier noch etwas mehr auf bewusste und nachhaltige Speisen und Getränke als bei uns.

Schindler und Ghettohelden

Heute laufen wir über die Father-Bernatek-Brücke, die zweigeteilt ist. In der Mitte hängt Kunst in Form von verschiedenen Figuren. Ein kurzer Stopp am anderen Ufer auf einen Cappuccino im Drukarnia und dann kaufe ich endlich auch einen der polnischen Kringel. Sie heißen Obwarzanek und zählt schon zu den traditionellen Symbolen der Stadt. Meist ältere Verkäufer stehen an der Straßenecke mit einem Wägelchen voller dieser ringförmigen Brotkringel, die es mit Sesam, Mohn oder auch pur gibt. Ich erfahre, dass dies die Ur-Bagel sind. Das heißt, der Bagel wurde in Krakau erfunden. Lecker ist er zumindest.

Wir schlendern durch das Viertel. Spannend ist übrigens, wie unterschiedlich Krakau ist. Die Mischung aus alten Gebäuden, junger Gastronomie und kreativer Atmosphäre ist einfach klasse. Geschichte trifft auf Moderne und umgekehrt. Der Weg führt uns zu Oskar Schindlers ehemaliger Emaille-Fabrik. Die Schlange am Museum ist allerdings so lang, dass wir uns das sparen. Es regnet kurz. Wir machen eine Kuchenpause im Lu Kier und kommen vorbei am Platz der Ghettohelden mit einem Denkmal aus Stühlen. Dieser Platz war die letzte Station für die Bewohner des jüdischen Stadtteils vor dem Abtransport in Konzentrationslager und spielte daher eine besonders tragische Rolle. Wir besichtigen die Tempelsynagoge und ein paar Kirchen und stärken uns auf dem Piroggen-Fest, das gerade zufällig stattfindet. Die klassische Variante ist out. Hier gibt es rosafarbene, grüne, orangefarbene und viele andere Sorten. Mit Nutella, mit Kürbis, mit Linsen, mit Blauschimmelkäse – alle Mischungen, die man sich nur denken kann. Dazu gibt es gewöhnungsbedürftige Folklore-Musik und Bier.

Kaffee mit Katzen und Karma

Um 23 Uhr sind es immer noch über 30 Grad. Deshalb begeistern mich auch besonders die lustigen Sprenkler, die auf verschiedenen Plätzen stehen und ein bisschen Nass versprühen, damit man sich kurz abkühlen kann. Mit Klamotten natürlich, ist ja nur fein und äußerst erfrischend.

Am nächsten Tag entdecke ich mein Lieblingscafé, das Café Karma, eine kleine Kaffeerösterei mit dem weltbesten Cappuccino, schlendere über Märkte. Und dann sind eine Schiffchenfahrt auf der Weichsel und der Besuch des Wawel natürlich Pflicht. Okay, ein paar Shopping-Stündchen muss ich zwischendurch auch einlegen. Und: Ja, ein paar Schuhe habe ich auch gekauft ;-) Und ich entdecke zufällig das Kociarnia Kocka Kawiarnia, das Krakauer Katzencafé. Hier liegt ein riesiger Fellgenosse mitten auf einem der Tischchen und schläft. Mindestens acht andere schleichen herum, schmusen, spielen und starren ganz gebannt auf die Durchreiche, durch die Speisen und Getränke gereicht werden. Natürlich bekommen sie davon nichts ab. Aber das ist echt eine witzige Idee, die ich bisher nur aus Köln kannte.

Abends erkunden wir das Tytano. Auf dem Gelände einer alten Tabakfabrik haben diverse Kneipen und Restaurants geöffnet. Auf Liegestühlen, in Strandkörben und einfach herrlich chillend verbringen wir hier unseren letzten Abend. Ein geheimnisvolles Schild fordert uns auf, dem weißen Hasen zu folgen. Tun wir, ins VR-Café. Das hat heute geschlossen, aber da uns jemand an der Tür rütteln hört, dürfen wir doch hinein und werden durch die düsteren und äußerst nerdigen Räumlichkeiten geführt. Hier gibt es Treffen und Veranstaltungen für VR-Fans. Überall hängt und liegt Equipment… und der weiße Hase in verschiedenen Formen.

In love with Krakow

Den letzten Morgen nutze ich noch mit einem Spaziergang. Wer so eine Stadt erkundet, braucht übrigens fitte Füße. Ich bin hier jeden Tag über 25 Kilometer gelaufen. Ich gönne mir einen Gewürzkaffee im Big Hat Of Coffee und frühstücke im Cakester Pancakes aus Kastanienmehl mit Marzipanpaste. Köstlichst. Und husche noch auf einen 5-Minuten-Espresso – und nur wegen des Ausblicks – ins Café Szal, um einen herrlichen Abschiedsrundblick über den Rynek zu haben. Und dann sind die zweieinhalb Tage auch schon um.

Viel zu schnell. Aber einen ersten, tollen und vor allem bleibenden Eindruck habe ich bekommen. Und bin ganz sicher, dass ich wiederkommen werde. Und wenn es nur ist, um im Café Karma zu sitzen und diesen unvergesslich guten Cappuccino zu trinken. Karma, Baby ;-)

 

Krakau-Nachtrag. #lovelykrakow #rynekgłówny #summerinkrakow

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