Nummer 37042 beweist Mut… und ganz viel Fehmarn-Inselliebe

Fehmarn_Blogbeitrag

“Junge Frau, Sie wissen schon, dass Sie hier am Arsch der Welt sind?”, fragt mich der Radüberbringer vom Bikehof.  Ja, weiß ich! Eigentlich bin ich nur im Ortsteil Westermarkelsdorf auf der Insel Fehmarn. Und habe mir mit voller Absicht eine Ferienwohnung ausgesucht, die außerhalb liegt und einen wunderschönen Blick auf Wiesen, Dünen und die Ostsee bietet.

Eine Woche Me-Time

Denn ich habe Lust auf eine Auszeit. Klar, mit netten Café-Besuchen, aber eben auch mit viel Natur, Meer, Strand und wenig Menschen, die sich über Masken oder sonstige Dinge aufregen. Nach vier Tagen spannendster Wingwave-Ausbildung in Hamburg, über die ich auf  digitalCHARM noch berichten werde, bin ich voller Vorfreude auf eine Woche auf der Insel Fehmarn, die ich bisher nicht kenne.

Schon am ersten Abend mache ich zu feinster Sonnenuntergangszeit einen Spaziergang über die Dünen und am Strand entlang und genieße ein wunderbares Wetterfarbenspiel. Ich treffe Schafe, Rehe, Vögel, Hasen… und bin sofort begeistert. Am nächsten Tag mache ich mich gleich früh auf den Weg, denn ich möchte den Tag genießen und liebe es, morgens unterwegs zu sein, wenn die Natur irgendwie noch unberührt wirkt. Auf dem Deich entlang Richtung Puttgarden, vorbei am Naturschutzgebiet Grüner Brink, an diversen Campingplätzen und wieder mal Schafen. Die, so sind sie halt, jedes Mal sofort flüchten. Doch dazu später mehr.

Himbeerkuchen, Strandkorb und Cappuccino

Ein erster Besuch in der “Insel-Hauptstadt” Burg mit einem Mini-Shopping-Walk und einem allerersten Fehmarn-Cappuccino im “Café liebevoll und Kulturlabor“. Mmh, nach 2o Radkilometern ziemlich gut. Weiter geht es zum Hofcafe Albertsdorf. Mit wunderbarem Himbeerkuchen und dem Buch “Achtsam morden” (sehr böse und witzig) mache ich es mir in einem Strandkorb gemütlich und sauge die herrliche Atmosphäre auf. An meinem letzten Tag komme ich übrigens noch einmal hierhin zurück und führe ein spannendes Gespräch mit der Besitzerin Annabell Rahlff-Mackepran über Politik und die Insel- und Hofvergangenheit. Ein Ort, den jeder, der nach Fehmarn fährt, nicht nur wegen des unverschämt leckeren Kuchens aufsuchen sollte.

Nun will ich nicht mit schnöden, zugegebenermaßen ziemlich chilligen Tagesabläufen langweilen. Aber ein paar Tipps muss ich doch noch geben. So zum Beispiel das “Kap Orth”, eine etwas größere “Fisch-Bude”, vor der ein paar Strandkörbe stehen. Hier esse ich den garantiert besten “Dorsch” meines Lebens. “Ist noch das Rezept vom Uwe”, sagt die Bedienung. Ich gönne mir nach einer langen Tour das komplette Programm mit Fisch, Pommes und Majo und genieße nicht nur das, sondern auch den Blick auf den kleinen, idyllischen Hafen.

Orte zum köstlichen Verweilen

Dann ist da noch das Kaffeecontor Fehmarn, das ich zu meiner Liste der Lieblingscafés hinzufügen möchte, das “Café Traube” , Elli’s Snackeria (wunderbar gelegen, super leckere Flammkuchen, aber mit etwas viel Hipster-Auflauf) und das Café Sorgenfrei am Ende des Südstrands. Mit herrlichem Blick auf die Ostsee, aber vielen wuseligen Urlaubern.

Ich radle durch die Gegend, kann mich nicht sattsehen an den kunterbunten blühenden Blumenwiesen, schlürfe einen Gin Tonic in der Beltbude und mache viele lange Spaziergänge, unter anderem entlang der Steilküste von Katharinenhof. Ich sitze abends entweder auf meinem Balkon, von dem aus ich über grüne Wiesen bis zum Meer schauen kann und auf dem ich jeden Tag Besuch von einem Reh bekomme (nicht auf dem Balkon, im Garten!), das einmal quer durch den Garten springt und dann wieder verschwindet. Oder ich lasse den Tag mit zugegeben ziemlich leckerem schwedischen Cider am Strand ausklingen.

An Tag 3 verdrehe ich mir selten blöd das Knie, lasse mich von einem fiesen Knacken und Schmerzen aber zumindest nicht komplett aus der Ruhe bringen, sondern buche kurzerhand eine Massage und begegne dort Dorothea Ramke, die sich auch um mein Knie kümmert und dafür sorgt, dass ich den Urlaub nicht abbrechen muss.

Ayurveda-Rettung

Sie zeigt mir Dehnübungen, gibt mir Tipps und schenkt mir kurzfristig etwas von ihrer wertvollen Zeit. Wer sich nicht das Knie verdreht, sondern eine wunderbare Wellness-Behandlung bekommen möchte, sollte sich vertrauensvoll an sie wenden. “Tridosha Ayurveda” nennt sie ihr Angebot. Ihr erreicht sie unter tridosha@vodafonemail.de.

An einem der natürlich leider viel zu wenigen Tage radle ich am Wasser entlang und entdecke in der Dünenlandschaft wunderschöne Wildpferde. Werde aber abgelenkt durch drei Personen, die andächtig mit einer Gitarre vor einem Stein sitzen. Häh? Okay, es ist der Jimi Hendrix Gedenkstein, wie ich kurze Zeit später erfahre. Er spielte sein letztes Konzert wenige Tage vor seinem Tod auf dem Love-and-Peace-Festival im September 1970 auf Fehmarn. Okay…

Eine tote Kommissarin

“Das ist doch das Haus von der toten Kommissarin”, sagt eine aufgeregte Frauenstimme, wenige Meter entfernt vom Gedenkstein. Was’n das jetzt? Wer ist tot? Ich muss aber gar nicht nachfragen, denn sie unterhalten sich weiter. “Ja genau, aus der Krimiserie. Die ist doch in der letzten Folge gestorben”, plappern sie Fotos machend weiter. Ich recherchiere. Und finde heraus, dass direkt neben Jimis Stein ein einzelnes Haus steht, das für die Dreharbeiten der Serie “Nord bei Nordwest” genutzt wurde. Ein bisschen schmunzeln muss ich schon…

Am letzten Morgen meiner wunderbar chilligen kleinen Reise schlendere ich über den Deich in Westermarkelsdorf und grüble über viele Dinge nach, unter anderem auch über mutige Entscheidungen und fehlendes Vertrauen. Zack, bekomme ich eine Antwort, gibt ja keine Zufälle. Eines der Schafe, die immer geflüchtet sind, bleibt stehen und lässt sich kraulen. Seine Kollegen schauen etwas dumm aus der Wäsche und mähen ziemlich laut, wohl um ihn zu warnen.

Okay, dann gehe ich jetzt mal weiter und höre auf. Nix da, Nummer 37042 verlangt eine Verlängerung der Streicheleinheiten und will mich gar nicht mehr gehen lassen. Sehr witzig. Ich nehme ihn nicht mit auf den heimischen Balkon, verspreche aber, wiederzukommen. Mut mit Vertrauen belohnt. So einfach kann das sein.

Und so einfach ist es auch, diese Insel zu lieben. Eine Woche ist definitiv zu wenig, um dort zu sein. Ich glaube, ich werde schon bald zurückkehren… nicht nur wegen Nummer 37042.

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